Art Fag
Gratis bloggen bei
myblog.de


,, Willst du etwas trinken?“, fragte Bill. Ich sah auf. Blickte in seine braunen Augen und musste wieder lächeln.,, Ja gerne“, antwortete ich.,, Okay. Ich bin sofort wieder da“, sagte Bill und verschwand aus dem Zimmer. Schon nach einigen Sekunden kam füllte sie mit dem Getränk. ,, Hier“, sagte er und reichte mir das Glas.,, Dankeschön“, entgegnete ich und nahm einen Schluck. Am liebsten hätte ich mehr gesagt. Hätte ein richtiges Gespräch angefangen aber aus irgendeinem Grund war ich dazu nicht im Stande. Vielleicht war ich einfach zu schüchtern, vielleicht lag es an dem Kuss. Ich wusste es nicht. ,, Schmeckts?“, fragte Bill nach einer Weile. Ich musste kichern, da die Frage mehr als bescheuert war.,, Ja“, antwortete ich grinsend. Wieder folgte ein Schweigen. Ein langes, peinliches Schweigen. ,, Jetzt reicht es mir“, dachte ich genervt. Was war mit mir los? Warum war ich so verklemmt? Ich stellte mein Glas zur Seite, stand auf und begab mich zu Bill, der auf einem Stuhl neben seinem Schreibtisch saß. Ich griff nach seiner Hand und brachte ihn somit zum Aufstehen. Er stellte das Glas auf seinen Schreibtisch und umfuhr mit der nun freigewordenen Hand meine Taille. Wieder kamen sich unsere Gesichter immer näher und näher. Unsere Lippen trafen sich, unsere Münder öffneten sich und unsere Zungen berührten sich. Diesmal dauerte es nicht lange bis das Eis brach und es zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss kam. ,, Das mit dem langsam Angehen war eine dumme Idee“, dachte ich und grinste in mich hinein. Wieder rutschte Bills Hand tiefer und wieder machte dies den Kuss intensiver. Ich taumelte einige Schritte zurück. Als ich mit den Füßen an Bills Bett stieß löste ich mich kurz von ihm und ließ mich sinken. Bill lächelte mich lustvoll an und legte sich auf mich. ,, Und WAS für eine dumme Idee das mit dem langsam Angehen war“, dachte ich wieder als Bills Hand unter mein T-Shirt glitt und meinen Bauch streichelte. ,, Perfekt“, sagte ich mir im Stillen und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.,, Alles ist per-“, noch bevor ich meinen Gedanken zu Ende führen konnte hörte ich ein lautes Geräusch von unten. Es kam mir bekannt vor und verhieß nichts Gutes. Das schließen der Haustür. ,, Ich bin wieder da!“, rief jemand. ,, Meine Mum“, murmelte Bill enttäuscht und stieg von mir herunter.,, Perfektes Timing“, stellte ich ironisch fest. Bill lächelte mich mit gesenkten Augenbrauen an.,, Tut mir leid“, sagte er ruhig, lehnte sich zu mir herunter und drückte mir einen Kuss auf den Mund. Nur einige Sekunden später stand er in der Tür.,, Hallo“, hörte ich seine Mutter sagen. Sie schien schon im ersten Stock angekommen zu sein. ,, Ich – ich hab Besuch“, sagte Bill und ging etwas zur Seite. Eine Frau, mit lockigem dunkelblondem Haar streckte ihren Kopf ins Zimmer und lächelte mich freundlich an. ,, Hallo“, sagte ich.,, Hallo“, entgegnete auch sie.,, Ich werde dann mal mit dem Mittagessen beginnen. Habt ihr Hunger?“ Bill schaute mit einem „Bitte-sag-das-du-keinen-Hunger-hast“- Blick zu mir rüber. Ich schüttelte den Kopf. ,, Nun gut. Wer nicht will der hat schon“, sagte seine Mum und war Sekunden später verschwunden. ,, Das ist also deine Mum“, bemerkte ich plump.,, Jap“, Bill nickte.,, Wann kommt Tom?“, fragte ich um das Gespräch am Laufen zu halten.,, Was für eine dumme Frage“, stellte ich in Gedanken fest. ,, Ähm ... keine Ahnung. Er hat nichts gesagt“, antwortete Bill.,, Mhm“, machte ich und senkte den Kopf. Verdammt nicht schon wieder dieses Schweigen.,, Bill!“, setzte ich voller Elan an.,, Ja?“ Ich überlegte was ich sagen sollte. Öffnete den Mund, gab „Äh“- Töne von mir und schloss ihn wieder. So etwas passiert wenn man zuerst redet und danach denkt. ,, Wollen wir Monopoly spielen?“, brachte ich schließlich heraus und setzte anschließend ein unschuldiges Grinsen auf.,, Wieso nicht“, antwortete Bill, schien jedoch wenig begeistert. Er ging zu seinem Kleiderschrank und kramte das Spiel heraus. Von außen sah es ziemlich mitgenommen aus und auch von innen war der Anblick nicht sonderlich schön. Monopoly? Monopoly! Warum kam ich nur auf solche Ideen? Ich hatte gar keine Lust Monopoly zu spielen. ,, Ich bin der Schuh!“, rief Bill begeistert und stellte den kleinen Gegenstand aufs Spielfeld.,, Ich bin der Hund“, sagte ich und stellte auch meine Figur auf die Startposition. Jeder der einmal Monopoly gespielt hat weiß, dass das ganz schön lange dauern kann. Schon aus diesem Grund mochte ich das Spiel nicht. Bei mir und Bill war das nicht anders. Zwei ganze Stunden brachten wir damit zu die Würfel zu schwingen und über das Spielfeld zu rasen. Straßen zu kaufen und dem anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Häuser zu bauen und ... ähm ja, dem anderen damit das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das komische an der Sache war, und das gebe ich nur ungern zu – es hat mir Spaß gemacht. Wir haben gelacht, rumgealbert und noch mehr gelacht. Schließlich ließ ich mich sogar dazu überreden eine weitere Runde zu spielen, die sage und schreibe vier Stunden ging. ,, Gewonnen!“, jubelte ich.,, Schon wieder. Das gibt´s doch nicht!“, brummte Bill.,, Vor dir sitzt ein Naturtalent. Macht dir nichts draus“, neckte ich ihn.,, Ich gebe mich geschlagen. Kein Bock mehr“, sagte Bill.,, Außerdem tut mein Arsch weh.“ Ich lachte.,, Ja meiner auch.“ ,, Glaubst du das Spiel hätte noch länger gedauert wenn Tom und Gustav dabei wären?“, fragte Bill und wirkte doch tatsächlich ernst. Wieder musste ich lachen.,, Weiß nicht!“ ,, Das war eine ernst gemeinte Frage“, hielt Bill dagegen, jedoch ohne es zu schaffen sich ein Lachen zu verkneifen. ,, Oha! Es ist schon gleich acht“, bemerkte ich bei dem Blick auf Bills Wecker. ,, Tja wir haben lange gespielt“, sagte Bill und rappelte sich mühevoll auf.,, Meine Beine sind eingeschlafen!“, murrte er mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck.,, Ich glaube meine auch“, sagte ich. ,, Na los steh auf“, drängte Bill grinsend. Mit einem schmerzlichen Aufschrei quälte ich mich vom Boden und schüttelte meine eingeschlafenen Beine aus. ,, Bihiiiill!“, hörte ich jemanden rufen.,, Dein Lieblingsbruder ist wieder da!“ Und da Bill nur einen Bruder hatte kam wie nicht anders zu erwarten Tom ins Zimmer gestürmt. Voller Elan, voller Power. ,, Was machst du denn hier?“, fragte er verdutzt.,, Wir haben Monopoly gespielt“, antwortete ich. Dumme Antwort. ,, Keine Lust mehr bei Gustav zu bleiben?“, hakte Tom nach. Ich schüttelte den Kopf, sagte jedoch nichts, da mir auch überhaupt nichts einfiel. ,, Und wie war dein Date?“, fragte Bill.,, Guhuuuuut!“, antwortete Tom und hob die Augenbrauen. ,, Wir waren im Kino. Der Film war – ach keine Ahnung. Wir waren anderweitig beschäftigt“, erzählte er grinsend.,, In welchem Film wart ihr denn? Oder hast´ das auch nicht mitgekriegt?“, fragte Bill. Tom legte die Stirn in Falten.,, Ähm“, machte er und kniff die Augen zusammen. ,, Irgendwas mit K, ach egal.“ ,, Du musst doch wenigstens wissen wie der Film hieß“, entgegnete Bill und setzte damit den Start einer heftigen Diskussion. Nachdem ich einige Minuten versucht hatte den beiden zu folgen meldete sich mein Handy. Rasch griff ich in meine Hosentasche, zückte es hervor und blickte auf den Display. Beim Lesen des Namen darauf überkam mich eine Welle der Angst. Chris.,, Eine neue Nachricht von Chris“, las ich im Stillen. Ich hielt inne. Holte tief Luft. Ich hatte Angst. Angst vor den Worten, die mir Chris gesendet hatte. Angst vor dem „Nachspiel“, dass er mir angedroht hatte. Ich war naiv gewesen. Hatte dem Frieden vertraut. War er nun zu Ende? Was hatte Chris mir zu sagen? Bill und Tom bemerkten mich nicht. Waren immer noch in ihre Diskussion vertieft. ,, Eine neue Nachricht von Chris“, wiederholte ich im Kopf.,, Eine neue Nachricht von Chris.“ Ich führte meinen Daumen Richtung Bestätigungstaste. Presste ihn darauf und blickte geschockt auf den Display. ,,SIE KÖNNEN MIR NICHTS NACHWEISEN! WIR WERDEN UNS BALD WIEDERSEHEN. SCHON SEHR BALD“, stand es in großen Druckbuchstaben. Ich kniff die Augen zusammen. Plötzlich durchfuhren mich höllische Kopfschmerzen. Das konnte nicht wahr sein. Das durfte unmöglich wahr sein. Er hatte nicht gelogen. Es war noch nicht vorbei. Bald würde ich das auch zu spüren bekommen ...