Art Fag
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Am nächsten Morgen wachte ich in einem tranceartigen Zustand auf. Mein Kopf hämmerte und schien die gestrigen Geschehennisse zu verdauen. Schlaftrunken rappelte ich mich auf und blickte durch den Raum, bis ich endlich realisierte wo ich mich befand. Es bereitete mir ein gutes Gefühl hier bei Gustav zu sein und zu wissen, dass Chris mir nichts mehr tun konnte. Er konnte glücklich sein, dass ich der Polizei nichts von der Vergewaltigung erzählt habe. Ich war sauer, nein, mehr. Ich hasste ihn. Aber irgendetwas hinderte mich daran ihn noch mehr zu belasten. Eine Stimme in meinem Kopf, die es mit einem Schreien verhinderte. Sie war leise, schwach, kaum hörbar und schaffte es trotzdem mich davon abzuhalten. Ich blickte zur Kommode neben dem Bett und suchte nach meiner Armbanduhr, die ich am Abend zuvor dort abgelegt hatte. Schnell erblickte ich sie und musste feststellen, dass es schon nach zwölf war. ,, Verdammt!“, fluchte ich und sprang auf. Da war Gustav schon so nett mich bei sich aufzunehmen und ich pennte bis zum Mittag. Hastig sammelte ich meine Klamotten vom Boden auf und zog mich an. ,, Morgen“, sagte Gustav freundlich als er mich auf der Treppe erblickte.,, Hey! Tut mir leid, dass ich so lange geschlafen habe“; sagte ich kleinlaut.,, Nicht so schlimm“, entgegnete Gustav lächelnd. Er war gerade dabei etwas zu Essen zu machen. ,, Sieh mal. Wir haben Besuch“, sagte er und deutete in Richtung Wohnzimmer. Neugierig warf ich einen Blick ins Wohnzimmer. Einerseits schockte mich der Anblick, andererseits war er recht erfreulich. ,, Hallo“; murmelte ich und versuchte meine Aufregung zu verbergen. Vergebens. ,, Hey!“, sagte Tom und hob kurz seine Hand.,, Hallo“, brachte auch sein Bruder heraus. Jedoch wenig herzhaft und ohne mir einen Blick zu schenken. Bei der kleinen Begrüßung blieb es auch. Ein unbehagliches Schweigen machte sich breit. Bill und Tom saßen still auf dem Sofa und starrten zu Boden. Ich stand in der Tür und knetete unruhig meine Hände. Unauffällig blickte ich zu Bill rüber. Seine Verletzungen waren zwar noch zu sehen, schienen aber nicht mehr so schlimm zu sein. Das beruhigte mich ungemein. ,, Fertig!“, hörte ich Gustav rufen. Bill und Tom sprangen vom Sofa, liefen still an mir vorbei und setzten sich an den Tisch.,, Danke Mami“, witzelte Tom als Gustav ihm einen Teller mit Waffeln vorsetzte. ,, Kommst du?“, sagte Gustav und blickte mich fragend an. Etwas zögerlich setzte auch ich mich. Zu Bills Glück an die andere Tischseite. ,, Schmeckts?“, fragte Gustav nach einer Weile durch die Runde.,, Ja“, antworteten Bill, Tom und ich gleichzeitig was uns ein Grinsen entlockte. Wie nicht anders zu erwarten beherrschte Schweigen den Moment. Erst nachdem wir alle fertig waren versuchte Gustav die Stimmung erneut etwas aufzubessern. ,, Ich finde wir sollten Monopoly spielen“; schlug er vor. ,, Was?“, fragte Tom entsetzt.,, Da mach ich nicht mit!“ ,, Ich finde wir sollten einfach gehen. Was bringt es denn hier rumzusitzen?“, kam es aus Bills Richtung.,, Gehen? Wohin denn?“, hakte Gustav nach. Bill seufzte genervt.,, Ich meine nur Tom und mich. Schließlich sind wir hergekommen um etwas zu proben aber Georg kann nicht kommen also warum sollten wir noch bleiben?“ ,, Bill hat Recht“, stimmte Tom ihm zu und stand auf.,, Nein bitte wartet. Wir können doch noch ein wenig reden. Naja, jedenfalls Bill und Natascha“, protestierte Gustav. ,, Da gibt es nichts zu besprechen“, sagte Bill kühl und stand ebenfalls auf. Da war sie wieder. Die Heulsuse in mir kam hervor und schoss mir Tränen in die Augen. Hastig kniff ich dieses zusammen. Nicht hier, nicht jetzt. Verdammt, ich musste endlich aufhören so sentimental zu sein. Ich fühlte mich erbärmlich. Saß hier auf meinem Stuhl. Zusammengekauert, den Kopf auf den Tisch gerichtet. Das einzigste was ich sah war mein Teller. Hörte zu wie Gustav den Versuch wagte Bill dazu zu bringen mit mir zu reden. Saß einfach nur da. Tat gar nichts außer zu heulen. So kannte ich mich nicht. Das war ich nicht. Ich musste etwas tun. Ich musste ihn aufhalten. Ich hob den Kopf. Mein Blick wanderte zu Bill. ,, Bill bitte!“, sagte ich und versuchte gefasst zu bleiben.,, Wir müssen reden“, fügte ich hinzu. ,, Nein“, sagte Bill nur und schüttelte den Kopf.,, Aber ich – wir – er hat mich vergewaltigt“, stammelte ich. ,, Ich weiß“, sagte Bill mit brüchiger Stimme. Ich sah zu Gustav der hektisch nickte und mir damit weiß machte, dass er ihnen alles erzählt hat. ,, Bill bitte“, wiederholte ich und sah ihn flehend an.,, Ach komm schon Bill“, sagte Tom und stupste seinen Bruder in die Seite.,, Okay schon gut“, gab Bill widerwilig nach. ,, Tom und ich gehen mal kurz raus, oder Tom?“, sagte Gustav und schubste Tom ohne auf seine Antwort zu warten die Treppe hoch. Jetzt war es soweit. Ich stand auf. Sah Bill in die Augen. In die böse funkelnden Augen. ,, Schieß los“, sagte dieser und sah mich erwartungsvoll und denn noch eiskalt an. ,, Ich habe dir nichts von Chris erzählt weil ich – weil ich“, stammelte ich.,, Ich wollte doch ich – ich konnte nicht. Ich konnte es einfach nicht. Alles in mir hat sich dagegen gesträubt. Als ich dich gesehen habe und du mir dann die Frage gestellt hast mit wem ich in dem Kino war, da konnte ich nicht anders als zu lügen.“ ,, Wieso?“, fragte Bill verwirrt. Ich atmete tief ein.,, Wegen dir. Ich kannte dich zwar nicht aber etwas sagte mir, dass es ein Fehler wäre dir die Wahrheit zu sagen.“ ,, Und wieso hat er dich vergewaltigt?“, fragte Bill ohne auf meine Aussage einzugehen. ,, Er hat mich gezwungen zu sagen, dass ich ihn liebe. Weil er mich geschlagen hat hab ich irgendwann nachgegeben und dann hat er es getan“, erzählte ich und spürte wie ich meine Fassung Wort für Wort verlor und anfing zu weinen. ,, Fiel es dir schwer, ihm zu sagen, dass du ihn liebst?“, hakte Bill ruhig nach und kam auf mich zu.,, Ja. Ich – ich liebe ihn einfach nicht! Es tut mir leid, Bill! Es tut mir so leid!“ ,, Psssst“, machte Bill. Einige Sekunden später schlang er seine um mich und ich fiel in seine Umarmung. Spürte seinen Körper, der sich nah an meinen schmiegte und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Es war wie damals, als er mich getröstet hatte, wunderschön. Andererseits aber auch merkwürdig. Er hatte mir verziehn. Einfach so. Vielleicht hatte ich mich geirrt, vielleicht war er einfach nur sauer gewesen und hatte mich nicht wirklich gehasst. Doch nun war das egal. Jetzt lies ich mich fallen, vergaß alles um mich. Alles hätte perfekt sein können. Doch ich hatte die Rechnung nicht mit meinem Ex Freund gemacht.