Art Fag
Gratis bloggen bei
myblog.de

 


Ich spürte wie Panik, Angst und Verzweiflung in mir aufstieg. Es war wie ein Alptraum, der mich in sich gefangen hielt und mich nicht mehr aufwachen ließ. Der alles Schöne in meinem Leben zerstörte und ein lautes Gewitter über die Welt wüten ließ. Ich wollte weinen, doch spürte keine Tränen. Ich wollte etwas sagen, doch brachte kein Wort heraus. Ich wollte helfen, doch meine Beine waren wie festgewachsen. Das einzigste was ich in dem Moment konnte war sehen. Ich sah Bill, der hin und her schwankte. Der sich den Kopf hielt und verzweifelte Töne von sich gab. Dessen sonst so wunderschöne Augen blau unterlaufen waren und einige Pfeilchen sein Gesicht übersäten. Dessen Beine ihn nicht länger halten konnten und er bitterlich in sich zusammenfiel. ,, Bill“, krächzte ich fast tonlos und rannte zu ihm rüber. Ich setzte mich neben ihn und legte einen Arm um seine Schulter.,, Was ist passiert?“, fragte ich verzweifelt. Ich spürte wie mir Tränen in die Augen schossen und mein Gesicht herunterliefen.,, Sag was!“, krächzte ich, doch Bill schwieg. Das einzigste was er von sich gab war ein leises, verzweifeltes Stöhnen.,, Bill! Bitte“, heulte ich. ,, Wer hat dir das angetan?“ Bill hob seinen Kopf und sah mir in die Augen. Sein Blick war verzweifelt und zugleich wütend.,, Dein Freund“, brachte er nur mit Mühe heraus. Ich schluckte. Das konnte unmöglich sein, das durfte unmöglich sein. Wieso hatte er das getan? Wieso hatte er ihn nur so zugerichtet. ,, Bill“, setzte ich weinerlich an.,, Es tut mir so leid. Es ist alles meine Schuld.“ ,, Ja das ist“, flüsterte Bill. Seine Worte waren wie ein Stich mitten ins Herz. Doch er hatte recht. Ich war schuld. Ich hätte ihm gleich alles erzählen sollen und nun war es zu spät. Chris hatte uns sicher zusammen auf dem Fest gesehen, doch warum hatte er nichts gesagt? Wieso hatte er mich nicht gefragt wer er war? Warum musste er gleich zu solchen Maßnahmen greifen? Ich griff in die Tasche meines Rockes und fischte mein Handy heraus. Nachdem ich die Polizei gerufen hatte schleifte ich Bill auf eine Bank. Ich versuchte mit ihm zu reden, doch jedes einzelne Wort schien einfach an ihm abzuprallen. Er wollte nicht mit mir reden. Kein Wunder. Schließlich war ich der Grund, weswegen er verprügelt worden ist. Nach einigen Minuten kam auch schon der Krankenwagen. Bill bestand darauf, dass Tom mitkam, doch da dieser in der Disco war und es etwas länger dauern würde ihn zu suchen wurde ich beauftragt ihn zu suchen und zum Krankenhaus zu schicken. Ohne zu zögern machte ich mich auf den Weg. Ich klärte den Türsteher über alles auf und wurde sofort hereingelassen. Tom stand immer noch an der Bar und war wild am Flirten.,, Tom!“, rief ich und ging auf ihn zu. Er wandte sich von dem blonden, recht eingebildet aussehendem Mädchen ab und drehte sich zu mir.,, Du bist ja immer noch da“, sagte er.,, Bill wurde verprügelt“, sagte ich ohne auf seine Bemerkung zu achten.,, Was?“, Tom riss erschrocken die Augen auf.,, Von wem?“ Ich schüttelte den Kopf.,, Keine Ahnung“, log ich.,, Ich soll dich zum Krankenhaus schicken“, fügte ich hinzu.,, Okay“, sagte Tom nur und verschwand daraufhin in der Menge.,, Was fällt dir eigentlich ein? Wo ist er hin?“, fuhr mich das blonde Mädchen an.,, Weg“, entgegnete ich kühl. Ich verließ die Disco und entschloss mich einfach bei Chris zu Hause auf ihn zu warten. Ich musste mit ihm reden. Ob ich wollte oder nicht, ich konnte es nicht weiter rausschieben, jetzt musste ich es endlich tun. Ich machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Meine Beine fühlten sich schwer an, jeder einzelne Schritt war eine Herausforderung. Endlich an der Bushaltestelle angekommen ließ ich mich auf einen der Sitze fallen. Sie waren dreckig und kalt aber was solls. Nach einigen Minuten kam auch schon der Bus. Die Leute musterten mich kritisch und schüttelten teilweise den Kopf. Erst jetzt bemerkte ich, dass mein Top, sowie auch meine Beine Blut abgekriegt hatten. Was die wohl alle dachten? Um nicht noch mehr angestarrt zu werden setzte ich mich in die allerletzte Reihe. Es war wie ein Fluch. Jeder einzelne Tag meines bisherigen Aufenthalts beinhaltete irgendwelche Tragödien. Es sollte doch nur ein netter, dreiwöchiger Besuch bei Chris werden doch jetzt schien es wie ein Alptraum. Fast verpasste ich meine Haltestelle, schaffte es jedoch trotzdem noch aus dem Bus. Draußen war es schon etwas kühler geworden. Die frische Luft tat immer wieder gut. An Chris' Haus angekommen holte ich erst einmal tief Luft bevor ich klingelte. Nach dem dritten Mal hörte ich jemanden die Treppe herunterpoltern. ,, Hallo!“, quiekte Kati, wich jedoch einen Schritt zurück als sie mich sah.,, Hey“, ich versuchte zu lächeln.,, Ist Chris schon da?“, fragte ich während ich meine Schuhe auszog.,, Nein“, sagte Kati und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an.,, Was ist mit dir passiert?“, fragte sie schließlich.,, Ich schüttelte den Kopf.,, Gar nichts.“ ,, Natascha?“, hörte ich Birgit rufen. Einige Sekunden später stand sie geschockt vor mir.,, Kind!“, rief sie.,, Was ist mit dir passiert?“ Wieder schüttelte ich den Kopf.,, Ich gehe jetzt ins Bad“, murmelte ich noch und ging die Treppe hoch. Ich holte frische Sachen, ein Handtuch und verschwand schließlich damit im Badezimmer. Es tat gut das warme Wasser zu spüren. Zwar hatte ich mich erst vorhin geduscht, doch es war gewiss etwas anderes. Es war mehr als eine Dusche, die meinen Körper reinigte. Es kam mir eher so vor, als würde diese Dusche den ganzen Schmutz aus mir spülen. All die Fehler, die ich getan hatte einfach verschwinden lassen. Aber nun ja, wie gesagt, es kam mir nur so vor. Als ich fertig war machte ich es mir auf Chris' Bett gemütlich und schaltete den Fernseher an. Es lief eine Reportage über Magersucht. Eigentlich ein spannendes Thema, doch meine Gedanken waren woanders. Sie waren bei Bill. Ich sah immer noch sein schmerzverzerrtes und blutverschmiertes Gesicht vor mir. Hörte seine kühlen Worte. Spürte seine hasserfüllten Blicke und hätte wieder am liebsten losgeheult. Es war offensichtlich. Er hasste mich.