Art Fag
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Bill und ich saßen noch eine ganze Weile nur so da und sahen uns an. Ich wusste nicht genau was es zu bedeuten hatte aber es war ein sehr schöner Moment und seine Blicke wirkten beruhigend. Ich genoss die Stille und seine Nähe. Am liebsten hätte ich ihn noch einmal umarmt und nicht mehr losgelassen. Vielleicht klingt das ja komisch. Aber es tat gut seinen Körper zu spüren. Er war warm und obwohl er doch so dünn war auch schützend. ,, Wollen wir etwas fern schauen?“, fragte Bill schließlich.,, Ja wieso ni-“, ich wurde durch ein lautes Geräusch von unten unterbrochen.,, Das wird wohl Tom sein“, sagte Bill und stand auf. Ich folgte ihm und wir gingen die Treppe runter. Tatsächlich behielt Bill recht. Tom war gekommen und war gerade dabei seine Schuhe auszuziehen. ,, Hey“, sagte er als damit fertig war und uns erblickte. ,, Schon da?“, fragte Bill. ,, Ja ich hatte kein Bock mehr. Da gab es wieder Stress. Irgendwelche Typen haben einen Stand demoliert.“ ,, Achso. Sind Georg und Gustav noch da?“ ,, Nein. Die sind auch gegangen.“ Tom warf mir einen flüchtigen Blick zu und wandte sich dann wieder zu seinem Bruder. ,, Was macht sie hier?“, fragte er flüsternd und versuchte dabei den Mund so wenig wie möglich zu bewegen damit ich ja nichts bemerkte. ,, Erklär ich dir später“, sagte Bill und klopfte Tom auf die Schulter. Dieser grinste Bill hämisch an und ging anschließend die Treppe hoch. ,, Nicht das was du denkst!“, rief Bill seinem Bruder hinterher. ,, Ich glaube ich werde dann gehen“, sagte ich nachdem Tom anscheind in seinem Zimmer verschwunden war.,, Jetzt schon?“, Bill sah mich verwirrt an.,, Ja ich glaube es wird Zeit.“,, Ou okay“, sagte Bill etwas enttäuscht. Auch ich war enttäuscht gehen zu müssen aber ich musste zu Chris. Ich musste alle meine Fragen beantwortet kriegen. Ich zupfte meine Kleidung etwas zurecht und wandte mich anschließend wieder zu Bill. ,, Danke“, sagte ich lächelnd.,, Hab ich gerne gemacht. Soll ich dich begleiten? Nicht das der Typ wieder kommt.“,, Nein, ich denke nicht das ich ihn heute noch antreffe. Er ist sicher noch auf dem Fest.“,, Okay“, Bill sah zu Boden.,, Also dann“, sagte ich, machte eine schnelle Handbewegung und begab mich zur Tür. Draußen war es immer noch warm. Die Sonne war schon fast verschwunden und am Himmel konnte man einen schönen Sonnenuntergang bewundern. Es war traumhaft. Meine Stimmung hob es aber nicht. Mir schwirrten wieder die selben Fragen und die selben Erinnerungen im Kopf herum. Bei Bill fühlte ich mich wohl, mir ging es gut, ich hatte alles vergessen. Er hatte mir sehr geholfen, jedenfalls für den Augenblick. Und was war meine Gegenleistung? Ein dummes „Danke“. Keine Abschiedsumarmung, gar nichts. Musste ich mich nur immer so dumm anstellen? Doch jetzt war es zu spät. Jetzt konnte ich schlecht zurückrennen und ihn umarmen. Ich hatte mir zum Glück den Weg gemerkt und schaffte es Problemlos zur Bushaltestelle. Nach zehn Minuten kam mein Bus und auch nachdem ich ausgestiegen war fand ich den Weg bis zu Chris Haus. Ich lief extra langsam um etwas nachdenken zu können. Um mir zu überlegen wie ich die Sache angehen sollte, wie ich Chris die Fragen stellen sollte, wie ich die Wahrheit ausquetschen sollte. Ich klingelte. ,, Hallo“, sagte Birgit ungewohnt freundlich und bat mich herein.,, Wie siehst denn du aus?“, sie sah mich entsetzt an. ,, Ist Chris schon da?“, fragte ich ohne auf die mehr als dumme Frage zu antworten ,, Ja. Er ist in seinem Zimmer“, entgegnete Birgit wie immer höflich aber auch einen Tick arrogant. Ich stampfte die Treppe hoch und riss Chris' Zimmertür auf. Er saß natürlich wie immer auf seinem Bett und spielte, wer hätte es gedacht, Xbox. ,, Hey“, sagte ich kühl setzte mich zu ihm. ,, Hey“, entgegnete er und gab mir eine Kuss auf die Wange. Natürlich ohne seinen Blick von dem Spiel abzuwenden. ,, Wo warst du so lange?“, fragte er. ,, Auf dem Fest“, log ich und versuchte wenigstens nicht allzu sauer zu klingen. ,, Achso. Als Katis Auftritt bevorstand habe ich dich gesucht aber du warst nirgends“, sagte er halbherzig. ,, Ja klar hast du das“, dachte ich missmutig und lehnte mich erschöpft zurück. Ich hatte heute keine Lust mehr irgendwelche Fragen zu stellen, dazu war ich einfach viel zu müde. Ich schloss meine Augen und fiel kurz darauf in einen leichten Schlaf. Es war seltsam, ich nahm jedes einzelne Geräusch von außen wahr und schien trotzdem zu schlafen. Die meisten nennen so etwas Halbschlaf aber wenn man selber in dieser Situation ist kann man das ja nicht wissen. Irgendwann verschwand jeglicher Ton und ich fand mich auf einer grünen Wiese wieder. Die Sonne schien, die Vögel sangen. Es erinnerte mich an den Tag meiner Abreise. Den Tag, an dem sich alles verändern sollte. Den letzten schönen Tag in meinem Leben. Und jetzt schien es genauso. Ich war glücklich, wunschlos glücklich. Lag auf meiner grünen Wiese, betrachtete den blauen, wolkenlosen Himmel und lebte den Moment. Bis er vorbei war, wie jeder wunderschöne Moment. Der Himmel überzog sich mit schwarzen Wolken. Die Vögel verstummten und ein lautes Donnern brach hervor. ,, Natascha!“, hörte ich jemanden rufen und schreckte sofort auf. Es war Bill, der etwas weiter weg stand und ein wenig ängstlich wirkte. Zunächst fragte ich mich wieso bis ich erkannte das er nicht alleine war. Ein großer Junge mit einem bedrohlichem Grinsen auf dem Gesicht stand hinter ihm. Er hatte etwas in der Hand. Ich konnte es nicht genau erkennen, aber es erinnerte stark an einen Knüppel, sowie ihn die Polizisten haben. Ich kniff die Augen zusammen als er damit ausholte und Bill in den Nacken schlug. Bill schwankte etwas nach vorne bis er schließlich zu Boden sank und sich nicht mehr regte. Der geheimnisvolle Junge stellte sich neben ihn. Er schien ihm etwas zu sagen, da er seinen Mund bewegte und dann trat er zu. Mitten in Bills Bauch. Bill gab daraufhin ein lautes, verzweifeltes Stöhnen von sich. Wieso tat er ihm das an? Wieso verletzte er ihn nur so? Ich rannte. So schnell ich nur konnte. Über die Wiese, die immer länger und länger zu werden schien. Sie hatte kein Ende und meine Beine wurden immer schwerer. Nein! Ich musste ihn retten. Ich musste Bill retten. Doch es war zu spät. Ich verlor das Gleichgewicht und fiel zu Boden. Ich sah wieder den pechschwarzen Himmel vor mir, hörte das laute Donnern und Bills verzweifelte Schreie. Der Himmel spiegelte meine Gefühlslage wieder. Vor meiner Abreise war er blau und wolkenlos, doch nun war alles anders. Jetzt war er schwarz und es donnerte. Doch ich konnte nicht mehr zurück. Ich konnte nichts mehr verändern. Es war wie es war. Was noch kommen würde, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich hörte einen weiteren lauten Schrei, dann wurde es still. Es war bitter und ich spürte wie die Tränen über mein Gesicht rannen. Doch er hatte ihn umgebracht. Bill war tot. Dieses Wort ließ mich erschaudern. Jeder Muskel meines Körpers schien zu verkrampfen, meine Augen starrten ins Nichts. Ich spürte nichts mehr. Ich fühlte mich leer, verloren, alleine gelassen. Ich war ebenfalls tot ... innerlich.