Art Fag
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Das Essen fiel tatsächlich sehr fein aus. Es gab Braten, Sushi und sogar Austern, die ich gezwungenermaßen probierte. Birgit war immer noch recht abweisend und redete nur das nötigste mit uns und Kati schien richtige Angst vor mir zu haben. Was ihr ihre Mutter wohl erzählt hat. Naja Birgit und ich verstanden uns eh nicht sonderlich gut, also was solls. Nachdem Essen brachte ich eine Stunde damit zu faul auf Chris' Bett zu liegen und das ganze Zeug erst einmal zu verdauen. ,, Geht's?“, fragte Chris. ,, Ich hasse Austern!“, brummte ich übertrieben wehleidig. ,, Vielleicht war das die Rache“, meinte Chris grinsend und setzte sich neben mich aufs Bett. Er schaltete zu meinem Leidwesen seine XBox ein und spielte Tomb Raider. Was fiel ihm eigentlich ein? Er sollte sich um mich kümmern und nicht vor der XBox hängen. Ich ließ einen Blick durchs Zimmer schweifen und hielt an einer Ecke oben an der Decke inne. In dem Film tauchten die Haare des „Monsters“ aus so einer Ecke, gefolgt von dem restlichen Körper. Das erinnerte mich natürlich automatisch an den Kinobesuch und meine Begegnung mit Bill. Ich hatte noch gar nicht darüber nachgedacht aber er sah wirklich gut aus. Obwohl er geschminkt war und vom Gesicht her mit einem Mädchen verwechselt werden könnte war doch recht attraktiv. Ich schüttelte den Kopf und versuchte an etwas anderes zu denken. Chris war in sein Spiel vertieft, schien mich gar nicht zu beachten. Ich wusste nicht wieso aber ich fühlte mich schuldig. Schuldig weil ich ihn verleugnet hatte. Schuldig, weil ich Bill für attraktiv hielt. Der restliche Abend verlief sehr harmonisch. Ich schloss mich Chris an und wir spielten abwechselnd Tomb Raider, wobei ich desöfteren starb und unzählige Fehler machte. Trotzdem machte es sehr viel Spaß und wir brachten unglaubliche fünf Stunden damit zu. Ich öffnete langsam meine Augen. Die Sonne strahlte mir entgegen, die Vögel sangen mir ein Ständchen vor, es schien so als wenn ein wunderschöner Tag begann. Ich schaute auf die andere Bettseite und erwartete Chris vorzufinden, doch Fehlanzeige. Der Platz war leer. Kein Chris, kein Garnichts. Mit dem Gedanken, dass er wahrscheinlich schon längst wach war und Frühstück machte rappelte ich mich schlaftrunken auf und tapste ins Bad. Ich putzte mir die Zähne, duschte und ging die Treppe runter. Ein leckerer Duft von Pfannkuchen stieg mir in die Nase und ich atmete ihn tief ein. Ich hatte wohl recht, Chris machte Frühstück. Umso überraschter war ich Birgit vorzufinden, die in der Küche stand und kochte. ,, Wo ist denn Chris?“, fragte ich überrascht. ,, Als ich aufgestanden bin war er schon weg“, Birgit wirkte wie immer kühl und abweisend. Wo er wohl war. Sichtlich enttäuscht setzte ich mich an den schon gedeckten Tisch.,, Hast du hunger?“, fragte Birgit nach einer Weile und schaute mich erwartungsvoll an. ,, Und wie!“, rief ich fröhlich und fragte mich direkt danach wieso ich denn so freundlich war. Birgit stellte einen Teller mit Pfannkuchen, einen Kuchen und eine Kaffeekanne auf den Tisch und setzte sich hin. ,, Kati! Essen ist fertig!“, rief sie. Kurz darauf kam auch schon Kati angehüpft und setzte sich neben ihre Mutter. Sie schaute mich nicht an, wirkte immer noch ängstlich. Ich aß mehrere Pfannkuchen, trank einen Kaffee, bedankte mich höflich und ging wieder in Chris' Zimmer. Ich wartete und wartete, lief im Zimmer hin und her doch er kam nicht. Ich beschloss mich auf etwas anderes zu konzentrieren und fuhr Chris' Laptop hoch. Zum Glück hatte er kein Passwort, so konnte ich mit Leichtigkeit auf sein Benutzerkonto zugreifen. Ich öffnete Firefox und bekam den ersten Schock. Chris hatte doch tatsächlich die Homepage von Magdeburg als Startseite. Neugierig wie ich war schaute ich mir die Seite etwas genauer an und gelangte schließlich zu der Rubrik „Talente in Magdeburg“. Dort waren mehrere, wie soll ich sagen „Künstler“ aufgelistet. Darunter auch einige Bands. Diese sogenannten Bands trugen Namen wie „Magdeburger Helden“ oder „Träumer“ und in den Beschreibungen kam oft das Wort „Volksmusik“ vor, was mich noch mehr schockte. Ich scrollte immer weiter nach unten bis ich plötzlich auf eine Band stoß, die sich von den anderen sehr unterschied. Tokio Hotel. Was für ein Name. Darauf muss man erst kommen. Als erstes fiel mein Blick auf das kleine Bild, dass die vier Bandmitglieder abbildete. Ich konnte es anfangs kaum fassen, doch bei näherem Hinsehen wurde es immer deutlicher. Einer der vier Jungs war Bill. Eindeutig. Die anderen drei hießen dem Text nach Tom, Georg und Gustav. ,, Tom“, murmelte ich vor mich hin. Das war doch Bills Bruder. Der Text war recht kurz und fasste nur schnell zusammen um was es sich bei Tokio Hotel handelte und wer welche Rolle übernahm. Bill war der Sänger, sein Bruder Tom der Gittarist, Gustav der Drummer und Georg der Bassist. Ich beschloss noch mehr Infos über die Band zu filtern und sie bei Google zu suchen. Doch noch bevor ich meinen Plan in die Tat umsetzten konnte spürte ich wie mir jemand einen Kuss auf die Wange hauchte und zuckte erschrocken zusammen. ,, Chris!“, quiekte ich erschrocken. ,, Hab ich dich bei irgendetwas gestört?“, fragte Chris und sah auf den Bildschirm. ,, Du hast die Homepage von Magdeburg als Startseite?“, sagte ich spöttisch und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. ,, Das war ein Unfall. Eigentlich wollte ich mir die Seite nur mal etwas anschauen. Dann habe ich aus welchem Grund auch immer den Link kopiert. Ich wollte ja eine andere Seite als Startseite und dachte ich hätte den Link davon kopiert, dann hab ich das halt eingefügt und tadaaaa!“, stammelte Chris, was ich richtig süß fand. ,, Das kannst du deiner Oma erzählen!“, entgegnete ich grinsend. Ich schloss die Seite und fuhr den PC runter. Ohne Vorwarnung packte mich Chris und warf sich samt meiner Person im Gepäck aufs Bett. ,, Tust du mir einen Gefallen?“, fragte er und drückte mir nach jedem Wort einen sanften Kuss auf die Lippen. ,, Ich tu alles was du willst Baby!“, scherzte ich und setzte meine berühmte „Bin-ich-nicht-total witzig?“-Miene auf. ,, Kati ist ja in einer Ballettgruppe und heute hat sie einen Auftritt. Sie hat mich schon Wochen vorher gefragt ob ich mitkomme und mir Das Ansehe“, erklärte er und sah mich mit einem Dackelblick an. ,, Du willst also darauf hinaus, dass ich mitkommen soll richtig?“, hakte ich nach und stellte mich extra dumm, was ich natürlich nicht war. Ich doch nicht. ,, Genau“, entgegnete Chris begeistert.,, Es wäre auch eine gute Möglichkeit Pluspunkte bei ihr zu machen. Du willst doch nicht, dass diese Sache von gestern für immer zwischen euch steht“, fügte er witzelnd hinzu. ,, Niemals!“, ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.,, Aber wenn sie jetzt reinkommen würde und uns so aufeinanderliegend sähe, dann würde es auch nichts mehr bringen.“ Chris stand sofort auf und schüttelte sich ab, was ich wirklich mehr als merkwürdig fand. ,, Wann ist denn dieser Auftritt?“, fragte ich nachdem ich mich auch hochgezwängt hatte. ,, Nacher gegen 14Uhr.“ Wenn ich doch nur nein gesagt hätte. Wenn wir bloß nie hingegangen wären. Dann ...