Art Fag
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,, Beeil dich“, sagte ich tonlos und zeigte Chris mit einer mehr oder weniger eindeutigen Handbewegung, dass er verdammt noch einen Zahn zulegen sollte. Hektisch nahm er das Wechselgeld an und verlor, tollpatschig wie er war wieder die Hälfte davon. ,, Ou Chris“, schimpfte ich vor mich hin. Einige Momente später saßen wir tatsächlich gemütlich im Kinosaal.,, Nur weil du die scheiß Werbung sehen wolltest habe ich mir wehgetan und auch noch Geld verloren“, brummte Chris. ,, Psssst!“, zischte ich kurz und schaute wie gefesselt auf die Leinwand. Mit Mühe schaffte ich es einige Momente später mich von ihr abzuwenden und stupste Chris an.,, Ach Schatzi. Die Werbung ist doch am besten“, sagte ich und setzte ein perfektes Kunstgrinsen auf. Anscheinend von meinen ach so begnadeten Schauspielkünsten angetan drückte Chris mir einen langen Kuss auf den Mund, den ich aber nur teilweise erwiederte, da eine meiner Meinung nach äußerst spannende Werbung kam. ,, Der Film beginnt!“, Chris strahlte über das ganze Gesicht. Jetzt fiel es mir wieder ein. Durch meine „Werbungbesessenheit“ hatte ich total vergessen in welchem Film wir waren.,, Der Fluch“. Die Werbung dazu ließ mir schon einen Schauer über den Rücken laufen und dann musste ich mir doch tatsächlich auch noch den ganzen Film reinziehen. Was für ein „Vergnügen“. Chris, mehr als angetan wandte seinen Blick kaum von der Leinwand und reagierte nichtmal auf mein berühmtes Piepen. Schon nach einigen Minuten gab es das erste Opfer. Yoko machte den Fehler, den die ersten Opfer eines Horrofilmes immer machten. Sie war zu neugierig, eindeutig. ,, Verschwinde!“, rief ich irgendwann und bemerkte zunächst gar nicht, dass es lauter als beabsichtigt war. Und dann passierte es. Das „Monster“ tauchte aus der Dunkelheit auf und entlockte mir und zum Glück auch noch einigen anderen einen schrillen Aufschrei. Unbeabsichgt trank ich viel zu viel und viel zu schnell und schaffte es meine Cola Flasche in den ersten zehn Minuten leer zu machen. Da war es nur normal, dass ich weitere zehn Minuten später den natürlichen Drang verspürte auf die Toilette zu gehen. Kurzum ich musste dringend pinkeln. ,, Ich muss mal aufs Klo“, flüsterte ich Chris zu und kämpfte mich durch die genervten Leute in meiner Reihe, die mich nur ungern durchließen. Oh ja, es war auch so schwer sich mal kurz etwas kleiner zu machen. Nachdem ich mein Ziel, den Ausgang, erreichte begann meine Suche nach dem Klo. Orientierungslos wanderte ich von der einen Treppe zur anderen und war mir ziemlich sicher das Klo schon einige Male einfach übersehen zu haben. Genervt stampfte ich mit einem Fuß auf den Boden. Keine Mitarbeiter, niemand der mir helfen konnte.,, Ich muss piiinkeln“, quietschte ich und dachte doch wirklich, dass mich niemand hörte. ,, Suchst du das Klo?“, hörte ich eine Stimme hinter mir fragen und zuckte erschrocken zusammen. Als ich mich umdrehte kam ein Junge auf mich zu. Er hatte kurze, schwarze, stark gegelte Haare. Eine Strähne ließ er ins Gesicht fallen, wenn man das bei dem ganzen Gel noch sagen konnte, sodass sie ein Auge verdeckte. Seine Gesichtszüge waren sehr weiblich, wobei ich aber trotzdem sicher war, dass er ein Junge war. Er trug Kayal, sowie auch ein wenig Lidschatten und Wimperntusche. Besonders fielen mir seine braunen Augen auf, die wunderschön waren und durch die Schminke noch mehr betont wurden. ,, Ja. Weißt du wo das ist?“, fragte ich etwas verlegen.,, Ja da wollte ich grade eben eh hin. Komm einfach mit.“ Ohne zu zögern folgte ich dem Jungen und staunte als wir nur einige Meter später das Klo erreichten. ,, Ich bin doch echt blind“, bemerkte ich und gab mir einen leichten Stoß gegen den Kopf.,, Als ich das erste mal hier war gings mir auch so“, entgegnete der Junge grinsend. ,, Wie heißt du eigentlich?“, fragte ich. ,, Bill und du?“ ,, Natascha.“ ,, Schöner Name“, Bill grinste mich charmant an. ,, Dankeschön“, entgegnete ich, warf ihm höflicherweise mein tollstes Lächeln zu und verschwand in der Tür des Klos. Erleichtert verließ ich die enge Klokabine, in der es ach sooo toll roch und wusch mir gründlich die Hände.Wie sollte es anders sein waren die Papiertaschentücher alle aufgebraucht und ich musste meine nassen Hände an meinem Top trocken klopfen. Anschließend öffnete ich, pingelig wie ich war, ganz vorsichtig die Tür und wie es das Schicksal nun eben wollte traf ich auf Bill, der gerade aus dem Männerklo kam. ,, So trifft man sich wieder“, sagte Bill grinsend. ,, Schicksal. Mit wem bist eigentlich hier?“ ,, Meinem Bruder. Tom“, antwortete er.,, Und du?“ ,,Mit meinem Freund“, wollte ich sagen. Wieso ich es tat weiß ich bis heute nicht. Das genau DAS eine Tragödie auslösen würde wusste ich noch nicht. ,, Ei-einer Freundin“, stammelte ich und versuchte so überzeugend wie nur möglich zu klingen. ,, Ich geh dann mal lieber rein. Sie kriegt noch Zustände wenn sie keinen hat an dem sie sich festklammern kann. Vorallem bei so einem Film.“ Und schon war ich weg. Ohne auf eine Antwort von ihm zu warten, einfach weg. Mich durchfuhr ein merkwüridges Gefühl. Die Frage wieso ich gelogen hatte schwirrte immer und wieder durch meinen Kopf, doch eine Antwort darauf konnte ich nicht geben. Nachdem ich mich wieder etwas besinnt hatte suchte ich den Kinosaal und wer hätte es gedacht, ich fand ihn schon nach einigen Sekunden. Da ich nicht mehr wusste wo wir saßen wanderte ich orientierungslos durch die Reihen bis ich Chris nach einer endlosen Suche endlich fand. ,, Wo warst du denn so lange?“, fragte er ausdruckslos ohne von der Leinwand wegzusehen. ,, Ich hab das Klo zuerst nicht gefunden“, antwortete ich im Flüsterton. ,, Achso. Cool“, sagte Chris nur und machte mir damit mehr als deutig, dass er mir nicht zuhörte. Der Film ging noch eine ganze Weile und ich schaffte es sogar ihm konzentiert zu folgen. Was schon ein kleines Wunder war, da ich noch nie viel für Horrorfilme übrig hatte und da noch eine andere Sache war, die mich immer noch beschäftigte. Ein erleichtertes Aufatmen ging durch den Saal, das Licht ging an und die ersten gingen raus. Darunter auch wir, da der Abspann nicht sonderlich spannend war. ,, Wie fandest du den Film? Nicht schlecht oder?“, fragte Chris als wir durch eine Hintertür ins Freie traten. ,, Ja. Er war ganz okay“, antwortete ich und versuchte überzeugend zu klingen. Wir tranken noch einen Kaffee und machten uns anschließend auf den Weg zur Bushaltestelle um wieder zurück zu fahren. ,, Wie spät ist es eigentlich?“, fragte Chris nach einer Weile. ,, Schon fünf“, sagte ich nach dem ich einen Blick auf meine Armbanduhr geworfen hatte. ,, Okay dann gibt es bald Essen. Mum hat mir gestern versprochen extra für dich ein Festmahl zu kochen.“ ,, Nach dem Auftritt vorhin? Also ich weiß nicht“, fügte ich grinsend hinzu. ,, Die hat sich sicher schon wieder eingekriegt.“